GALERIE RÖSSLI jubelt

50 Jahre Galerie Rössli Balsthal 1968 bis 2018

Seit der Gründung der Galerie Rössli in Balsthal 1968 wurden in den kleinen Räumen über 250 Ausstellungen eingerichtet. An diesen waren insgesamt rund 400 Künstlerinnen und Künstler beteiligt. Durchschnittlich haben jeweils 100 Personen eine Ausstellung besucht. Dies bedeutet: Im letzten halben Jahrhundert standen mehr als 20 000 BesucherInnen in der Galerie Rössli vor Grafiken, Gemälden, Objekten oder an Sonderveranstaltungen vor Skulpturen in den Thaler-Dörfern.
Die Geschichte der Galerie Rössli ist nun in einer Publikation zusammengefasst. In Texten, begleitet von Bilddokumentationen, wird die Geschichte der Galerie dargestellt, die in fünf Zeitabschnitte gegliedert ist. Jede dieser Epochen zeichnet sich durch ein eigenes Ausstellungskonzept aus, das die Methoden und Ziele der jeweiligen Galerieführung spiegelt. Die Rückschau zeigt deutlich: Die Rössli-Ausstellungen und Veranstaltungen haben das kulturelle Leben im Thal – und im Kanton – bereichert. Wir haben uns bemüht, basierend auf den vorgefundenen Unterlagen sämtliche Ausstellungen und Veranstaltungen der Galerie seit ihrer Gründung aufzuführen und zu illustrieren. So ist ein Nachschlagewerk entstanden, das Aufschluss gibt über das Kunstschaffen in unserem Kanton während den letzten fünfzig Jahren. Statements von Kunstschaffenden und treuen Ausstellungsbesuchern zu ihrer Verbundenheit mit dem «Rössli» ergänzen die Geschichte der Galerie und selbstverständlich auch ein Blick des gegenwärtigen Teams in die Zukunft.
Peter Jeker, Kunstvermittler und ehemaliger künstlerischer Berater der Galerie Rössli, hat das Buchprojekt verantwortet und intensiv recherchiert.

Publikation 50 Jahre Galerie Rössli Balsthal 1968 bis 2018, erhältlich bei Papeterie Liselotte, Balsthal oder Bücher Lüthy, Solothurn, CHF 25.-

 

«Balsthal weiterdenken»

Einmal mehr hat die Galerie Rössli Kunst in den Aussenraum gebracht: Anlässlich ihres 50-jährigen Jubiläums hat die Galerie den Solothurner Künstler Ruedi Fluri (*1948) für ein ortsspezifisches Aussenprojekt nach Balsthal eingeladen. Der Name des Kunstprojekts war Programm: «Balsthal weiterdenken».

Ruedi Fluri arbeitet in seinem künstlerischen Schaffen hauptsächlich mit dem Werkstoff Papier. Er experimentiert mit diesem einfachen Material und entwickelt aus einem flachen Blatt Papier Formen. Virtuos übersetzt er seine Gedanken in Papier, das ihm «Grundnahrungsmittel für die Fantasie» ist. Die Kraft der «Verwandlung» ist für seine Kunst bedeutend, der Prozess wichtiger als das abgeschlossene Werk. Sein Schaffen bewegt sich häufig an der Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur. Er findet über die Anschauung von Vorhandenem zu neuen Formen, die er zuerst als theoretische Idee entwickelt, um anschliessend über Experimente und Prozesse zu neuen Formfindungen zu kommen.

Dabei lässt der Künstler immer offen, was seine skulpturalen oder architektonischen Papierarbeiten sein könnten. Die Frage «Was könnte das sein?» ist zentral, Fantasie bei der Betrachtung der Papierwerke eine Voraussetzung. Seine Arbeiten können als abgeschlossene Werke betrachtet werden, sie sind aber auch Modelle, die gedanklich weitergeführt, erweitert oder gar umgesetzt werden könnten. Dank seiner weitreichenden Auseinandersetzung mit gestalterischen Fragen und über die langjährige Beschäftigung mit Papier hat sich der Künstler ein umfangreiches Wissen angeeignet. Seine Papierarbeiten sind gleichsam Kommentare auf Bestehendes und Anregung, mutig und visionär weiterzudenken.

Dies zeigte sich zum einen in den Galerieräumen, die ihm während drei Wochen zur Denk- und Werkstatt wurden. Hier zeigte Ruedi Fluri in assoziativer Hängung verschiedene Papierarbeiten und präsentierte Materialexperimente aus Zeitungspapier. Während mehreren Nachmittagen arbeitete er zudem in Workshops mit Primarschulklassen aus Balsthal.

Zum anderen baute Ruedi Fluri an der Ruine Schloss Neu-Falkenstein, dem Wahrzeichen von Balsthal, weiter. Mit seinem «Stampfwerk», fügte der Künstler der historischen Struktur der Schlossanlage ein weiteres Kapitel hinzu. So bemerkenswert seine Installation ist, so modellhaft bleibt sie vor dem Hintergrund der monumentalen Burganlage. Ruedi Fluris Aussenprojekt «Balsthal weiterdenken» weckt die Vorstellungskraft und ist Anregung, unsere Umgebung mit gestalterischer Kreativität und Fantasie, ebenso spielerisch wie ernsthaft, weiterzudenken.

Für das «Stampfwerk» wurde Zeitungspapier verwendet. Einzig mit Wasser vermengt, wurde dieses zu kompakten «Bausteinen» gestampft. Zahlreichen Helferinnen und Helfer haben den Künstler bei dieser zeitintensiven Arbeit unterstützt. Das «Stampfwerk» wurde ursprünglich für Ruedi Fluris Einzelausstellung im Kunstmuseum Solothurn im Jahr 2014 realisiert, wo es im Museumspark stand. Für Balsthal wurden in gemeinsamer Arbeit auf dem Papierfabrikgelände der Swiss Quality Paper AG Balsthal weitere Module geschaffen. Schon lange hegte der Künstler den Wunsch, das «Stampfwerk» in eine historische Umgebung einzubauen, damit es Teil einer gewachsenen Anlage wird. Auf der Ruine Schloss Neu-Falkenstein, im ehemaligen Zwinger, gelingt dies nun auf eindrucksvolle Weise: Die Module aus Zeitungspapier verschmelzen in Form und Farbe mit den Steinmauern und wachsen als Turmgebilde in dynamischer Drehbewegung gleichsam aus der Mauer heraus.

Ruedi Fluris Aussenprojekt kann als «soziale Plastik» (der Begriff wurde vom deutschen Künstler Joseph Beuys geprägt) bezeichnet werden: In seinem partizipativ angelegten Aussenprojekt hat der Künstler verschiedene Menschen zusammengeführt. Dies zeigte sich auch im Rahmenprogramm, zu dem ein Referat über die Ruine Schloss Neu-Falkenstein von Kurt Meyer und ein BilderBühnen-Abend mit Veronika Medici gehörten sowie die erwähnten Workshops mit Schulklassen. Im Zentrum des partizipativen Mittuns standen vor allem das gemeinsame Herstellen der Module und der Aufbau auf der Ruine und damit die Vermittlung des kreativen Denkens und Handelns als Form der gesellschaftlichen Mitgestaltung. Ruedi Fluri will mit seinem künstlerischen Schaffen gestaltend auf die Gesellschaft einwirken und gemeinsam – Kraft der Kunst – etwas bewirken.
Patricia Bieder

 

 

 

 

 

 

Fotos: Anita Gerster

 

 

 

 


Leporello

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