VERANSTALTUNGEN

L’Accrochage 2013:

„L’accrochage“ ist in vieler Hinsicht eine besondere Ausstellung:

Gegen 70 Künstlerinnen und Künstler weisen mit mindestens einem Werk auf ihr aktuelles Arbeiten hin. So ist eine repräsentative Werkschau des Solothurner Kunstschaffens entstanden, die zugleich eine Art Galeriegeschichte darstellt.

„L’accrochage“ wird Erinnerungen an Ausstellungen wachrufen, denn wer hier mit einer Arbeit vertreten ist, hat schon mindestens einmal alle Räume der Galerie „bespielt“. In diesem Sinne fasst die Ausstellung die Galerietätigkeit der letzten 17 Jahre zusammen. Und da bekanntlich eine Gruppe die Galerie betreibt – es wurden über 100 Ausstellungen in der erwähnten Zeitspanne gezeigt – ist „L’accrochage“ auch ein Spiegelbild des Rössli-Teams.

Genau genommen ist sie eine Hommage an Kathrin Diener, die seit 1996 – mit zwei oder drei Ausnahmen – alle Ausstellungen in Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen und Künstlern eingerichtet hat. Während dieser Zeit hat sie als Autodidaktin Fähigkeiten erworben, die sie heute als kompetente Ausstellungsmacherin auszeichnen. Kathrin setzt mit „L’accrochage“ einen markanten Schlusspunkt unter ihre Tätigkeit.

Das Rössli-Team dankt ihr für ihren unermüdlichen Einsatz und wird ihre allseits bekannte Begeisterungsfähigkeit vermissen. Ebenfalls nach dieser Ausstellung wird Markus Lisibach das Team verlassen. Die Gruppe dankt ihm für seine Arbeit, ganz besonders für seine unerschrockenen und eigenständigen Diskussionsbeiträge.

Das Team dankt auch allen an der Ausstellung beteiligten Künstlerinnen und Künstlern. Die Arbeit in der Galerie Rössli geht weiter. Anna Schüpbach wird Kathrin Dieners Aufgabe übernehmen.Wie schon bei den Jubiläumsaktivitäten „NeuBekannt 2000“ und „10XFREIRAUM 2005“ wird die Galerie auch während dieser Ausstellung mit einer Skulptur von Jean Mauboulès auf dem Kreuzplatz auf ihre Tätigkeit aufmerksam machen.

Besten Dank an die Baloise Bank SoBa; sie wird als Hauptsponsor der „L’accrochage“ zu einer Kundenveranstaltung in die Galerie einladen.

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NEUBEKANNT 2000:

Die Galerie Rössli im Verlauf des Jahres 2000 ein Menü in 7 Gängen serviert. Die “Speisekarte” trug den Titel NEUBEKANNT2000. Die Wortzusammensetzung NEUBEKANNT ist raffiniert. Sie suggeriert beispielsweise auch Gegensätzliches und meint zugleich Zusammenarbeit. So unterschiedlich die einzelnen “Menüs” auch “gekocht” wurden, ein gemeinsamer Nenner verband alle: Jede Ausstellung wurde von zwei Kunstschaffenden bestritten, wobei der eine Partner. der “Bekannte”, der schon einmal Werke in der Galerie Rössli gezeigt hatte, seine Kollegin oder seinen Kollegen selber bestimmen konnte. Die Galerieleitung vertraute also bei der Auswahl der “Neuen” ihren Künstlerinnen und Künstlern. Diese Geste. das Verteilen einer “carte blanche” an die ihnen verbundenen Kunstschaffenden, war mutig – ein Wagnis.

Die so entstandenen Gruppen haben ihre Aufgaben unterschiedlich gelöst. Die einen erarbeiteten gemeinsam ein Konzept, schufen ihre Werke in enger Zusammenarbeit speziell für diesen Anlass und die Präsentation war schliesslich eine Installation. Andere konzentrierten sich auf ein abgesprochenes Thema, entschieden sich für ein bestimmtes Format und liessen sich bei der Hängung von der Galerieleitung beraten. Wir sahen aber auch traditionelle Doppelausstellungen, das heisst zwei Kunstschaffende zeigten miteinander ihre aktuellen Werke. Wie auch immer die einzelnen Teams ihre Aufträge verstanden und umsetzten, es waren diese unterschiedlichen Arbeitsweisen und Präsentationsformen, die das Jahresprogramm spannend und beachtenswert machten. Und: Wie auch immer das Miteinander konzipiert war, in der Ausstellung entstand stets auch ein Gegenüber. Durch das Vergleichen erkannten wir das Unverwechselbare beider Werke. Und öfters entdeckten wir Neues im Bekannten und umgekehrt Vertrautes im Neuen.

Das Jahresprogramm “ NEUBEKANNT 2000 – ein Menü in 7 Gängen beinhaltete neben der Einladung an die “Neuen” auch eine Einladung – vor allem – an Kunstinteressierte. Ich habe an allen 7 Banketts teilgenommen und rückblickend stelle ich fest. dass die Ausstellungsbesucher, der Betrachter und die Betrachterin allein das Konstante und Verbindende aller 7 Gänge waren. Sie lasen geduldig die ganz konkreten individuellen’ Inhalte und – formalen Sprachen. Sie verglichen die einzelnen Veranstaltungen, sahen Gemeinsamkeiten oder Berührungspunkte, bemerkten Kontraste, Dialoge und Analogien, sie schufen letztlich die Beziehungen zwischen den Werken. Sie versuchten Sinn- und Bedeutungszusammenhänge zu erschliessen, die bei jeder Veranstaltung andere Anforderungen stellten. Und rückblickend folgern sie: Jede einzelne Künstlerin und jeder einzelne Künstler hat letztlich immer nur das getan, was ihr oder ihm selber persönliches Bedürfnis, persönliches Anliegen war – auch in Zusammenarbeit mit einer Kollegin oder einem Kollegen. Gerade deshalb sind sie Teile einer allgemeinen Entwicklungsgeschichte und als solche immer neu und auch schon bekannt. Die Interessierten besprachen die Qualitäten des Dargebotenen mit anderen Ausstellungsbesuchern, lobten und kritisierten, hatten Fragen an die Künstler oder die Künstlerin und besuchten die Ausstellung allenfalls nochmals. Und im Idealfall erwarben sie schliesslich ein Werk und schlossen mit der oder dem Kunstschaffenden Freundschaft.

Nun hängt das gekaufte Bild in einem privaten Raum, Gäste werden eingeladen, ein Menü wird serviert … Dieser Vorgang wurde von der Galerie Rössli ausgelöst – und dies ist auch die Aufgabe einer Galerie: Kunstvermittlung. Das Dargebotene im Jahre 2000 war spannend und aufschlussreich und der Service war vorbildlich. Die Galerie Rössli ist ein wichtiger Ort für Solothurner Kunstschaffende und Kunstfreunde.

Peter Jeker